'weiter, toggenburg' dokumentiert eine Serie meiner Textarbeiten im öffentlichen Raum, die ich für das Ausstellungsprojekt 'weiter' der Kunsthallen Toggenburg entwickelt habe.
"Kein weiterkommen ohne Halt, ohne Pause, ohne Rast, ohne Warteschlange, ohne Stau. Wir alle müssen unterwegs Bedürfnisse stillen, auftanken, essen, schlafen. Oft gehören auch Um- und Abwege dazu, auf denen man genauso weiterkommen kann, manchmal auch weiter als erhofft oder erwünscht.
Im Vorankommen sind wir oft unwillig die Notwendigkeit des Anhaltens zu akzeptieren und eilen weiter bis zum letzten Moment, bis der Motor zu stottern beginnt und die Blase platzt. Wir lassen uns nur ungerne aufhalten und ignorieren Anzeichen von Müdigkeit, der Notwendigkeit die Karte zu studieren, den rechten Weg zu suchen, Energie zu tanken. Das kann schwerwiegende Folgen haben.
Diese Folgen werden für ‚weiter’ mit vieldeutigen Aussagen in Form von Billboards auf die verschiedenen Ausstellungsorte zugespitzt.
you’re completely wrong - Ruine Rüdberg, Oberhelfenschwil
Was ist wohl mit diesem Satz gemeint? Bezieht sich das auf den Weg? Auf den Betrachter? Auf die Rezeption der Kunst oder auf die Kunst selbst? Oder ist das eine ganz grundsätzliche Message? Jede/r, der hier vorbeigeht, wird daran erinnert oder darauf hingewiesen, dass etwas nicht stimmt.
please wait over there - Bahnhof Wattwil
Warten also. Dort drüben. Weshalb dort drüben? Wo denn genau? Wenn wir angewiesen werden zu warten, macht uns dies oft misstrauisch. Noch verwirrender ist die Aussage weil sie auf einen unbestimmten Ort verweist. Bin ich da wo ich gerade stehe falsch? Ist da drüben das andere Ufer, das Jenseits, eine bessere Verbindung, die Erlösung? Endlich der richtige Weg, der Richtige Ort? Nicht mehr zweifeln an der eigenen Richtigkeit?
ignore - Dorfplatz Unterwasser
Allein im Wort „Ignorieren“ bzw. „Ignoranz“ liegt ein Widerspruch. Ignorieren bedeutet, dass man etwas unterdrückt. Diese Tatsache setzt eine gewisse Energie voraus, insbesondere aber eine Wahrnehmung. Man kann also nicht gänzlich von einer Nichtbeachtung sprechen. Der installative Schriftzug „ignore“ ködert das Publikum hinzuschauen und es gleichzeitig der Konfrontation des Nichtbeachtens bzw. des Ignorierens auszusetzen. Dies erscheint schwierig. Einerseits rein visuell betrachtet unmöglich, andererseits gedanklich nicht vereinbar. Diese vermeintlich ausladende Aufforderung Kunst nicht zu konsumieren, bzw. sie als solche nicht wahrzunehmen, setzt sich dem Kunstbetrieb und dessen Anforderungen und Zielen entgegen."
Matthias Rüegg, 2017. Text zu 'ignore' von Catrina Sonderegger.