Für die Umnutzung eines 90-jährigen Stalls in ein Einfamilienhaus in Almens/GR war das bestehende Volumen massgebend für den Einbau eines bedürfnisgerechten Wohnkörpers, sodass kein unbebautes Land beansprucht werden musste. Das Dach, tragende Eckpfeiler und Aussenwandteile wurden belassen und in das entleerte Volumen ein Baukörper im Holzständerbau mit Strohisolation und Lehm eingesetzt, dessen äussere Schicht aus einer durchgehenden Schindelfassade aus einheimischer Lärche besteht.
Das Dorfbild veränderte sich durch den Eingriff kaum. Die Schindelfassade liegt zu einem grossen Teil hinter den belassenen Elementen des Stalls. So lässt sich von aussen betrachtet kaum erahnen, dass die Fassade auch im nicht direkt einsehbaren Bereich vollständig durchgezogen ist, wie eine äussere Haut der inneren Organe. Das gesamte Werk ist am Ende als äusserst präzis geplante und konsequent ausgeführte Operation erfahrbar, die jedes Spektakel meidet und dafür den Dialog zwischen althergebrachtem und Neuerfundenem ins Zentrum stellt. Fragen nach Wert und Bedeutung werden nicht nur gestellt, sondern auch beantwortet.
Für die rund 35'000 handgefertigten Schindeln waren etwa 350’000 Schläge mit dem Hammer auf die feinen Nagelköpfe nötig, um die ganze Fassade des Innenkörpers einzuhüllen. Dazu gehören auch die von aussen nicht sichtbaren Elemente, welche sich hinter den stehengelassenen Aussenwänden des ehemaligen Stalles befinden. Zwischen Bestehendem und Neugebautem entsteht eine feinsinnige Spannung, was eigenwillige und räumlich geschickt inszenierte Begegnungen erzeugt.
Sämtliche verbauten Materialien wurden sorgfältig ausgewählt und aus regionaler Produktion bezogen. Auf Beton konnte weitgehend verzichtet und dafür Holz eingesetzt werden. Der Innenausbau mit Böden, Treppen, Türen und Schrankeinbauten bis hin zur Verkleidung der Badewanne ist ausschliesslich aus einheimischem Holz gezimmert und geschreinert.
Eine ganz besondere Leistung in der Entstehung dieses Bauwerks ist die aussergewöhnliche Ausdauer und Beharrlichkeit des Bauherrn. Nach ausgiebigen Recherchen und Schulungen, vernagelte er die Fassade in rund siebenjähriger Alleinarbeit. Unterstützung suchte und brauchte er kaum. Der andauernde und im näheren Umfeld unüberhörbare Prozess führte letzten Endes zu einer Einladung an die mithörenden Nachbarn. Motto: ‘Der Specht von Almens ist Tot’. Sinnigerweise servierte man hausgemachte Fleischvögel.